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Hafis Symposium

Nach dem Besuch der Stadtverwaltung von Tehran im Oktober 2010 in Berlin, bei dem es den Entscheidungsträgern der Stadt um Kooperationen auf den Gebieten „Infrastruktur, Verkehr, Müll, Wasser, Wohnungsbau“ ging, dem für die teilnehmenden Unternehmen äußerst erfolgreichen „Iran Business Forum“ in Hamburg, das im Beisein einer vom Gouverneur Ost-Aserbeidjans, Dr. Alirezha Beyghi angeführten Wirtschaftsdelegation stattfand, dem „Städtebau und Wohnungsbau bzw. Bautechnologieforum“ in Berlin in der Woche darauf, war die am 3.12.2010 in Berlin durchgeführte Veranstaltung des „Ersten Hafis-Symposiums“ der wohl entscheidende Wendepunkt in der Selbstdarstellung des Iran im Ausland, wenn man allein auf die teilnehmenden Ehrengäste abstellt und das von den Iranern gewählte Motto:

Der Frieden in beiden Welten
Ist die Deutung zweier Worte:
Freundschaft mit Freunden
Toleranz mit Feinden
, aus „Hafis: Der Divan“.

Wer sich selbst und andre kennt,
wird auch hier erkennen:
Orient und Okzident
Sind nicht mehr zu trennen
.“, aus Goethe: „West-Östlicher Divan“.
Ehrengäste des Symposiums waren auf politischer Seite auch politische Schwergewichte: S.E. Esfandiyar Rahm Mashaii, stellvertretender Präsident und eine der – wenn nicht die - Zukunftsgrößen des Iran, Irans Botschafter Ali Reza Sheikh Attar, Sharif Melekzadeh, Generalsekretär des Obersten Rates der im Ausland lebenden Iraner, S.E. Dr. Imomudin Sattorov, Botschafter der Republik Tadschikistans, S.E. Abeb Nadjib, Geschäftsträger der Islamischen Republik Afghanistan. Für das Auswärtige Amt sprach Anne-Kristin Linke und trug den Standpunkt der amtierenden Bundesregierung zu den aktuellen Beziehungen vor.

Der Iran präsentierte sich durch seinen Dichter Hafis als das „verbindende Band der persischen Literatur für den Iran, Tadschikistan und Afghanistan als kulturelle aber deutlich auch ordnungspolitische Größe für die Region. Die bereits durch das Motto der Veranstaltung zum Ausdruck kommende Zielsetzung der Veranstaltung wurde durch die Grußworte und Einführungsvorträge weiter unterstrichen: Das Bedürfnis, die Gemeinsamkeiten zwischen den Kulturen zu betonen und das gemeinsame Ziel nach Ausgleich zwischen den Extremen zu streben. Die Veranstaltung war von dem kaum zu übersehenen Interesse an einem Dialog der Kulturen und einer Öffnung geprägt. „Zwischen diesen beiden Weisheiten von Hafis und Goethe liegen zwar mehr als vier Jahrhunderte – und jede Menge Wein, die Hafis und Goethe auf ganz besondere Weise verbanden - doch die Botschaft, die sie vermitteln, ist dieselbe: Toleranz und geistige Nähe sind Schlüsselelemente für ein friedliches Zusammenleben aller Menschen in allen Zeiten“, so bereits die Einladung zu dem Symposium, bei dem auch die Spitzenvertreter der Orientwissenschaften des Iran und Deutschland vortrugen.

Obwohl sich iranische Vertretungen weltweit öffnen und deutliche Zeichen einer veränderten Öffentlichkeitsarbeit vor allem gegenüber dem Westen erkennen lassen, sind die Veränderungen in Signale, die gerade in Deutschland vermittelt werden, besonders auffällig und bemerkenswert offen. Diese Signale einfach nur als „taktische Manöver“ einzuschätzen und abzuwerten erscheint sachlich kaum zu rechtfertigen. Zu deutlich sind die direkten Erklärungen und Zukunftsvorstellungen, die einer veränderten Ausgangslage in der Welt ebenso Rechnung tragen wie den unmittelbaren Bedürfnissen des Landes, dessen Regierung im Gegensatz zu ihrer Vorgängerregierung „nationale Planziele“ verfolgt.

Wohnungsbau
Die Zielsetzung, die aufgrund des Bevölkerungswachstums dringend benötigten Wohnungen zeitnah bereit zu stellen und dabei modernen Standards zu folgen, ist nur ein Beispiel hierfür. 1,5 Millionen neue Wohnungen sollen in den nächsten 15 Jahren nach Plan errichtet werden, was zugleich mit einer gewaltigen Modernisierung der staatlichen Infrastruktur verbunden sein wird.

Infrastruktur und moderne Daseinsvorsorge

Der Ausbau der Verkehrsinfrastruktur zu Wasser, zu Land und zur Luft, die Modernisierung der Wasserwirtschaft, der kommunalen Daseinsvorsorge wie Müllentsorgung und Rohstoffaufbereitung sowie die Modernisierung von Krankenhäusern, Kraftwerken sowie die energetische Sanierung von Wohnhäusern oder Anlagen, sind nur einige Beispiele der zukünftigen Planungen, die die Zukunft nicht mehr allein dem Zufall oder der privaten Initiative überlassen. Die Wirkungen dieser Zielsetzung und ihrer Umsetzung auf das innenpolitische Klima sind ebenso wie die hinter ihnen stehenden Absichten unverkennbar.

Aktuelle Belastungen: Embargobasierende Sanktionen, inhaftierte Journalisten und Terroranschläge auf Atomwissenschaftler

Während die auf den UN- und EU-Embargos beruhenden Sanktionen den Ölpreis treiben und auf dem auch vom Iran verfolgten „hohen Niveau“ halten, profitieren der iranische Handel und die Wirtschaftsbilanz erheblich. Zwar könnte man meinen, die in den ersten 10 Monaten des Jahres 2010 erzielten 14% Exportwachstum allein bezogen auf den deutschen Exportanteil, sind das Ergebnis der erst seit dem September wirkenden Sanktionsmaßnahmen, weshalb noch rechtzeitig eingekauft wurde. Da der Anteil der asiatischen Exporte, vor allem türkischer, indischer und chinesischer Anbieter, jedoch rasant ansteigt, dürften die Sanktionen nicht nur keine Wirkung auf Dauer erzielen, sondern allenfalls eine Änderung der wirtschaftlichen Ausrichtung nach Asien, die seitens des Iran in den letzten Jahren aber auch ohne Sanktionen bereits ausdrücklich verfolgt wurde. Wichtigster Nutznießer ist derzeit nach Ländern die Türkei. Welcher Anteil hierbei auf Tochterunternehmen deutscher Unternehmen entfällt, ist kaum feststellbar.

Die Inhaftierung zweier Journalisten des Springer-Konzerns aus Deutschland und die weitere Entwicklung des gegen sie gerichteten Ermittlungsverfahrens bleibt auch im Iran ein Thema in der politischen und öffentlichen Diskussion. Gewichtige Stimmen nehmen mit Verwunderung zur Kenntnis, das in Deutschland wiederholt unbescholtene iranische Unternehmer leicht mit unberechtigten Vorwürfen in Haft und in das Fadenkreuz der Justiz wegen vermeintlicher Embargoverstöße geraten, der Iran aber pauschal in der Öffentlichkeit verunglimpft wird, obwohl ein klarer Rechtsverstoß infrage steht und sich die Verursacher für den zugestandenen und ausermittelten Teil der Vorwürfe bereits schriftlich entschuldigt haben.

Allerdings verwehrt sich die Politik dagegen, in laufende Ermittlungsverfahren einzugreifen. Das sei wohl auch Man wundere sich darüber, dass der Springer-Konzern den eigenen Mitarbeitern bisher und seit über 40 Tagen keinerlei anwaltliche Hilfe zukommen lässt.

Die Terror- und Mordanschläge auf zwei iranische Wissenschaftler tragen im Iran zu den ohnehin bestehenden Vorurteilen gegen über dem Ausland und den „traditionellen Feinden“ bei. Dennoch scheinen derartige Aktivitäten, die ohne direkten Auslandszusammenhang kaum denkbar sind, den Iran nicht von den angebotenen Gesprächen über das Atomprogramm abzuhalten. Ob die Anschläge die bevorstehenden Gespräche verhindern oder aber das Programm zur friedlichen Nutzung der Kernenergie beeinträchtigen sollten, wird untersucht. Beeinträchtigen wird es die laufenden Vorhaben aber wohl eher nicht zumal der Kreis der Staaten, die die friedliche Nutzung der Kernenergie konzeptionell verfolgen bereits 2011 um einige neue Länder wie Thailand erweitert werden wird.

Nicht unbetont lassen will man auf iranischer Seite jedoch die Tatsache lassen, dass die Qualität der immer wieder feststellbaren terroristischen Anschläge darauf hindeutet, dass der „Iran Ziel direkter ausländischer Subversion“ ist, die man „nicht auf den Malediven“ vermuten muss. „Der Iran habe sich derartiger Methoden der gezielten Aktion nie bedient“. „Man kann über den Iran viel sagen, aber: Die Konzepte des staatlich veranlassten Terrors im Ausland finden ihre Heimat sicher nicht im Iran“, so verschiedene Stimmen der Veranstaltung.

Green Industries und Silk-Road-Forum

Die Themen- und Projektvorschläge „Green Industries“ und „Silk-Road-Forum“ stießen nicht nur bei Esfandiyar Rahm Mashaii auf großes Interesse. Die Metropole Tehran wird sich im Zuge ihrer weiteren Entwicklung und Modernisierung offen mit den „Grünen Technologien“ auseinandersetzen und steht für Projekte, Kooperationen und den Gedankenaustausch über das, was moderne Infrastrukturen zukünftig leisten müssen, jederzeit zur Verfügung.

Als Bindeglied eines sicheren Landwegs zwischen Europa und Asien ist der Iran seit Jahrtausenden nicht nur bekannt, sondern eine stabile Größe, die in der Zukunft nicht nur im Energiebereich ausgebaut werden soll. Gerne ist man hierbei auch Veranstalter und Teilnehmer an Foren oder an Aktivitäten, die die Länder entlang der alten Seidenstraße aber auch deren „Enden“ betreffen. Berlin und Tehran haben eine bedeutende Rolle als die Haupt- und Anreisezielländer, das wechselseitige Verständnis zu entwickeln und zum beiderseitigen Vorteil auszubauen. Diese Rolle kann man nur nachhaltig ausgestalten und nicht nur dann, wenn das „Wetter schön“ ist.

Belastungen für iranische Bürger und Unternehmen

Die nicht allein seit September verschärften Sanktionen und Embargo-Bedingungen haben in den letzen Monaten zu erheblichen Eingriffen in die Arbeits-, Lebens- und Beteiligungsbedingungen iranischer Bürger oder solcher iranischer Abstammung geführt.

Willkürliche Verhaftungen aufgrund später festgestellter Unbegründetheit mit Untersuchungshaftzeiten bis zu 8 Monaten, Todesfälle in der Haft wie jüngst im Baltikum oder Inhaftierungen mit einer anschließenden Deportation in die USA ohne Rechtsschutzmöglichkeit gehören zu oft diskutierten Problemen von Iranern mit deutschen Behörden. Meist grundlos oder auf der Grundlage eines unverkennbaren Generalverdachts werden seit kurzem Bankkonten von Bürgern iranischer Herkunft trotz langjähriger Kundenbeziehung ohne weitere Begründung gekündigt, „weil man die weitere Verwendung der Guthaben durch die Kontoinhaber“ nicht kontrollieren könne. Deutschland und Europa seien vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklung kein idealer Investitionsstandort mehr. Die sich hieraus ergebenden Konsequenzen sind erheblich, denn einhergehend mit einer veränderten Investitions- und Kooperationsstrategie in Richtung Asien und Russland, verändert sich die Wertschätzung in der iranischen Öffentlichkeit erheblich. Vor allem die jungen Iraner, deren Beste schon immer ein Auslandsstudium vor dem Berufseinstieg im Iran absolvierten, würden bei dem Fortbestand der realen Diskriminierungen eher in Asien oder Kanada eine berufliche Perspektive suchen. Ergebnisse für die deutsche Wirtschaft
Die neue Öffnungspolitik ist auf die Zukunft ausgerichtet. Aufgrund der vorbenannten Ausgangsbedingungen ist aber auch die traditionell an deutscher Technik interessierte Wirtschaft zu einer Strategieänderung gezwungen. Kommen die Angebote und Partner nicht mehr aus Deutschland, dann kommen sie eben aus Brasilien, Indien, Russland, der Ukraine oder China. Dennoch: Die Restriktionen erweisen sich vornehmlich für die mittelständische Wirtschaft als Lotto-Gewinn. Noch nie waren die Markteinstiegsbedingungen für den deutschen Mittelstand aufgrund der innovationshungrigen Iraner besser als heute. Dieses Signal wurde bereits verstanden. Die Anfragen aus dem Mittelstand, an den Wirtschaftsaktivitäten im Iran 2011 teilzunehmen, um dort neue Absatzwege zu beschreiten, steigen jeden Monat. Die Veranstalter kommen mit den Nachfragen nicht nach. Offenkundig können die Wettbewerber deutscher Unternehmen viele Lücken doch noch nicht so schnell schließen wie befürchtet. Bei einem Volumen von 70 Mrd. Euro, die dem Westen aber bereits infolge des Embargos verloren gegangen sind, dürfte es bald schwerer werden.

Anfragen und Auskünfte
über die Möglichkeiten, sich 2011 im Iran für Investitionen, Produktvertrieb, Kooperationen oder aber den Export zu präsentieren (Tehran, Tabriz, Shiraz tc.) werden gerne an die Veranstalter weiter gegeben: tehran@germanglobaltrade.de .

Teilnahmebedingungen: Unternehmensprofil in pdf-Format in Englisch. Projektvorschläge oder Unternehmenswunsch: Export, Dienstleistungen etc. Pressevertreter achten bei der Anmeldung und einem Teilnahmewunsch an die geltenden Pass- und Visabedingungen sowie das Bedürfnis einer möglicherweise notwendigen weiteren Akkreditierung.

Presseecho über das Hafis Symposium:

Die iranische Presseagentur hat den Beitrag von Anne-Katrin Linke teilweise wiedergegeben: http://www.irna.ir/ENNewsShow.aspx?NID=30106716&SRCH=1.

Der Westdeutsche Rundfunk hat in seinem Mosaik einen Beitrag über die Veranstaltung vorgesehen: Hier der Beitrag: http://www.wdr3.de/mosaik/details/artikel/wdr-3-mosaik-6fc451a7db.html